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Bericht Harfenkonzert
am 29.11.2009
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Hinweis:  Der Text  zu diesem  Beitrag wurde aus der Donauwörther Zeitung (Ausgabe MITTWOCH, 2 Dezember 2009) übernommen.
Das Bild stammt aus dem eigenen Fundus.
 
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Bildergalerie
Meisterhaftes Harfenspiel
und zauberhafte Klangbilder

 
Konzert Johanna Feodora Gabler spielte im Hofwirtsaal
 
Kaisheim | rpf | Geht man nach dem Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Land nur von geringem Wert sei, so trifft dies mit Sicherheit für Kaisheim nicht zu. Johanna Feodora Gabler, junge, hochbegabte, meisterhaft reif spielende Harfenistin aus Kaisheim, zugleich aufgehender Stern in der Harfenszene Deutschlands, wurde im voll besetzten Saal der Hofwirtschaft von den Konzertbesuchern für ihre wunderbare Soiree gefeiert und herzlichst beglückwünscht. Die junge Künstlerin bot in der Tat ein bemerkenswert niveauvolles Solokonzert mit meisterhaftem Harfenspiel und zauberhaften Klangbildern und führte zugleich charmant und informativ durch das Programm.
  Franz Oppel, Bürgermeister von Kaisheim, war, wie die Zuhörer auch, begeistert und fasziniert von der konzertanten Leistung dieser jungen Kaisheimerin.
 
Exklusiv und exotisch
 
Obwohl die Harfe eines der ältesten Instrumente der Menschheit ist, so gilt sie noch heute in gleichem Maße als exklusiv und exotisch. Gabler spielt auf einer wunderbaren Salvi-
Konzertharfe (Modell „Minerva") aus dem italienischen Piemont, einer Harfe, die allen Ansprüchen an Klang und Ästhetik mehr als gerecht wird und in Fachkreisen als „Trauminstrument" gilt. Mit diesem Instrument führte Feodora Gabler ihre Zuhörer in die Klangwelt der Harfe, die in der bei dieser Aufführung gebotenen Farbigkeit und Vielfalt an Stilen und Spieltechniken, ein wohl selten zu hörendes Erlebnis gewesen sein dürfte.

  Zur Eröffnung ihrer Soiree brachte Feodora Gabler das romantische Impromptu op. 86 von Gabriel Fauré (1845 – 1924). Als „Wettbewerbsstück" enthält diese Komposition bereits alles, was einem Harfenisten technisch und musikalisch abverlangt werden kann, Klangwellen, Akkorde, Glissandi, Stimmschichtungen und extreme Dynamik in überwältigender Virtuosität. Neben diesen Fauré stellte Feodora Gabler kontrastreich Paul Hindemiths (1895 – 1963) Sonate für Harfe, das einzige Werk dieses Komponisten für Soloharfe. Auf dieses, im typisch trockenen, keineswegs uninteressanten kontrapunktischen Stil Hindemiths komponierte Werk, ließ Gabler die farbige, von klassischer Lebenslust und Virtuosität sprühende Sonate op. 34 des Böhmen Johann Ludwig Dussek (1760 – 1812) folgen.
  Neue Klangwerten eröffnete Feodora Gabler dann mit dem Werk „Duke" des Harfenisten Bernard Andrès (* 1941). Als Hommage an den amerikanischen Jazz-Komponisten und Bandleader Duke-Ellington komponierte Andrès dieses Stück mit Jazzelementen und zahlreichen Spezialeffekten. Der Komponist erweitere damit die Spieltechnik der Harfe auf interessante Weise. So mimt Andrès beispielsweise Schlagwerkeffekte mit dem Klopfen des Daumens der rechten Hand auf der Resonanzdecke der Harfe nach, lässt die Saiten nicht anzupfen, sondern mit metallischem Klangeffekt mit den Fingerrücken und den flachen Fingernägeln anreißen, dämpft die Saiten mit der flachen linken Hand und erzeugt sog. „blue notes" mittels der Fußpedale.
  Einen ebenfalls neuen klanglichen Weg geht der japanische Komponist Toshio Hosokawa (* 1955), der mit seiner Auftragskomposition "Gesine" ein Werk schuf, das mit der Harfe der traditionellen japanischen Koto-Musik nachspürt und Bilder evozieren will, so, als ob man langsam durch einen japanischen Garten ginge. Als Abschluss und Synthese dieser Stile und Spieltechniken auf der Harfe interpretierte Feodora Gabler schließlich ein Werk (La Légende d’ Arthur) der bretonischen Harfenistin Henriette Renié (1875 – 1956), die durch ihre Spielmethode auf der Harfe bis heute nachwirkt und die Harfenisten beeinflusst.
  Mit diesem Soloprogramm leistete Feodora Gabler musikalische Schwerstarbeit. Was so wie selbstverständlich abläuft, verlangt höchste Konzentration, absolute mnestische und motorische Sicherheit der Abläufe und – wegen der starken Saitenspannung – viel Kraft in Fingern und Hand, was nur durch jahrelanges Üben, ein spezielles Training zur Kraftbildung und zum Hornhautaufbau und mithilfe besonderer Techniken der Entspannung der Hand erreicht werden kann – eine virtuose Leistung.
harfenkonzert2009
Johanna Feodora Gabler bei ihrem Konzert in Kaisheim.   Foto: www.hofwirtschaft-kaisheim.de
Die Harfe gehört zu den Chordophonen (Zupfinstrumenten). In der umfangreichen Familie der Harfen ist die Konzertharfe immer eine Doppelpedalharfe mit 7 Pedalen, 47 diatonisch gestimmten Saiten, damit von einem Tonumfang von sechseinhalb Oktaven, bis zu 1,90 Meter hoch und einem Gewicht von über 40 Kilo.
Durch die sieben Pedale können die Stammtöne jeweils im Spiel um zwei Halbtöne höher gestimmt werden. Dies wurde erst möglich, als im Jahre 1810 der Pariser Klavier- und Harfenbauer Sébastien
Érhard seine Drehscheibenmechanik in der Harfe entwickelte. Seine Erfindung wird bis heute von den Harfenbauern verwendet.
Durch diese Mechanik wurden die Spielmöglichkeiten stark erweitert, sodass die Harfe wieder als Instrument in das „Klassische Orchester einziehen konnte.
Johanna Feodora Gabler gilt als vielver- sprechendes Nachwuchstalent auf der Harfe, ist Stipendiatin der Jürgen-Ponto- Stifung und der Deutschen Stiftung Musik- leben. Unter dem Titel „Skizzen nach Paul Klee hat der junge Komponist Anno Schreier
für Feodora Gabler und für das Symphonie- orchester der Studienstiftung ein virtuoses Harfenkonzert als Auftragswerk verfasst.
Der Gemeinde Kaisheim, dem Organi- sationstalent von Frau Eigen und dem Förderverein Hofwirtschaft schließlich ist es zu danken, dass Feodora Gabler in der neu renovierten Hofwirtschaft den ansprechend schönen Saal dieser historischen Wirtschaft nun auch als Konzertraum für die Kammer- musik und für künftige, hoffentlich ebenso niveauvolle Konzerte erschließen konnte. (rpf)
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